Anfrage der Bürgerinitiative „natürlich Eitorf“

Über unseren Facebook-Auftritt erreichte uns folgende Anfrage der Bürgerinitiative „natürlich Eitorf“:Sehr geehrte Frau Zorlu, könnten Sie uns bitte verbindlich mitteilen, wie hoch der Gewerbeflächen-Bedarf in Eitorf für die nächsten 20 Jahre ist?“

Unser Bürgermeisterkandidat Michael Fuchs hat die Frage aufgenommen und folgendes Statement formuliert:

Liebe Bürgerinitiative „natürlich Eitorf“,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich möchte mit einer Gegenfrage beginnen: „Warum seid Ihr der Meinung, dass der Bedarf für Gewerbeflächen nicht so hoch sein sollte?“

Wir haben in Eitorf viele Gewerbebetriebe und Einzelhandel in ganz unterschiedlichen Größen. Um nur einige zu nennen: ZF-Sachs, Weco, Gerstäcker, Rembrantin, Lomberg, Trost, Beig und Krewel, Autohändler und Werkstätten, Discounter wie Rewe, Lidl, Aldi, Netto, Baumärkte und eine endlose Reihe an gewerblichen Dienstleistern. Alle diese Betriebe zahlen hier in Eitorf Gewerbesteuer. Die Einnahme durch Gewerbesteuer beträgt in unserer Kommune jährlich ca. 5,5 Millionen. Dazu kommt, dass diese Betriebe Arbeitsplätze geschaffen haben und Ausbildungsplätze zu Verfügung stellen. Ein Arbeits-/Ausbildungsplatz in Wohnungsnähe ist ein wichtiges Merkmal für Lebensqualität. Arbeitsplätze bedeuten auch den Zuzug von Familien und Unterhaltung von Kindergärten, Schulen, die Anwesenheit von Ärzten, Apotheken, Drogerien, Friseuren, Bäckereien, Metzgereien, Kiosken und Banken und Versicherungen, Tankstellen und Buslinien und vieles mehr. Gewerbe ist in allen Bereichen vertreten und ein nicht wegzudenkender Teil unserer Gesellschaft.

Aufgrund der Zahl an Betrieben ist sicher anzunehmen, dass es zu Expansionen kommt. Jeder Betrieb ist in bestimmten Abschnitten bestrebt zu wachsen. Dies kann entweder eine Erhöhung der Produktivität in der Zeit sein oder eine Erweiterung auf der Fläche bedeuten. Kann man den ortsansässigen Betrieben keine Fläche zur Verfügung stellen, kommt es zu Abwanderungen. Ein Beispiel für eine solche Abwanderung ist Natumi (übrigens: Abnehmer von landwirtschaftlichen Rohstoffen aus der Region) mit 80 Mitarbeitern und einem hohen Wasserbedarf, der unser Klärwerk stark entlastet hat. Aktuell verlässt uns der Busunternehmer Kolf, da ihm hier keine Fläche zur Verfügung gestellt werden konnte. Abwanderungen bedeuten einen Rückgang der Gewerbesteuer. Dieser Rückgang muss ausgeglichen werden. Hier können unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden, die alle mit dem gleichen Ergebnis enden: Zusätzliche Belastung der Bürger. Der Bedarf an Gewerbeflächen nur für ortsansässige Betriebe ist unstrittig. Hinzu kommen einige Anfragen von auswärtigen Betrieben (ca. 10 pro Jahr). Dies erscheint nur im ersten Augenblick nicht hoch. Bei der Betrachtung der angefragten Fläche sieht dieses Bild wieder anders aus. Hier werden durchaus Flächen von einem bis zu fünf Hektar nachgefragt. Damit wäre eine Erschließung in 20 Jahren durchaus denkbar. Priorität hat aber schon alleine die Flächenverfügbarkeit für bereits angesiedelte Betriebe.

Die von Ihnen gezeigten Fotos vom Auel und Altebach I zeigen keine Gewerbebrachen. Diese Grundstücke gehören alle bereits Betrieben; bis auf die, die von der Entwicklungsgesellschaft zu verkaufen sind. Diese noch vorhandenen Flächen sind aber mit ca. 3000 qm (eine Ausnahme 7800 qm) recht klein. Über den optischen Eindruck der veräußerten Grundstücke braucht man nicht zu sprechen. Hier würde ich mir auch ein anderes Vorgehen der Entwicklungsgesellschaft wünschen. Dazu fehlt nur jede rechtliche Grundlage.

Die Erweiterung Altebach II macht durch den hohen ökologischen Wert der Fläche keinen Sinn mehr. Zudem wäre Altebach II ein „Sackgassengewerbegebiet“. Alle Zulieferer würden durch den Ortskern oder über die Alzenbacher Brücke fahren müssen.
Wenn ich die im Lageplan angegeben Suchräume und die Kriterien für eine Bebauung betrachte kommt für mich nur die nördliche Spitze von Suchraum 1 in Frage. Und dies aus folgenden Gründen: Ebene Topographie, landwirtschaftliche Nutzung, Nähe Vier Winden, B 8 und Autobahn, kein Durchgangsverkehr für den Innenort Eitorf und kurzer Erschließungszeitraum. Ein Gewerbegebiet in Suchraum 2 schließe ich aus. Die Belastung durch den Bau ist für die angrenzende Ortslage Lindscheid nicht tragbar. Der Gewerbepark Lindscheid muss auch ökologisch vertretbar sein und sich in der Bebauung in die Landschaft einfügen. Begrenzte Geschosshöhen, großzügige, ökologisch wertvolle Bepflanzungen wie schon in anderen Gewerbeparks haben für mich in der Planung einen hohen Stellenwert. Begrünte Wasserauffangbecken und Wildkatzentunnel sind auch Bestandteil solcher Überlegungen. Ich möchte einen grünen Gewerbepark! Gewerbe bedeutet ja auch nicht ausschließlich produzierendes Gewerbe sondern kann durchaus auch aus Dienstleistern und Bürogebäuden bestehen.

Alternativen sind keine zu finden wenn man die Verkehrsachsen im Innenort ausschließen will. Ich sehe auch in der Siegtalstrecke L333 keine Alternative zur B8 und der Autobahnanbindung zur A3 in Rottbitze. Auch die Nähe zu Mendt und Uckerath ist für hier positiv zu bewerten, da hier die bereits geschaffene Infrastruktur mitgenutzt werden kann.

Ich hoffe mein Statement ist nachzuvollziehen. Ich lade Ihren gesamten Vorstand gerne zu einem Gespräch ein. Nach einer Begehung von Altebach I können wir uns austauschen. Ich selber komme nur mit einem, maximal zwei Vertretern unserer Fraktion. Ich würde mich über eine positive Rückmeldung sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Fuchs
m.fuchs@spd-eitorf.de

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