Interview mit dem Europakandidaten der SPD, Sebastian Hartmann

Für die Region Bergisches Land, Köln und Bonn kandidiert der 31jährige Sozialdemokrat Sebastian Hartmann aus Bornheim (Rhein-Sieg-Kreis).

Frage: Sebastian Hartmann, Sie kandidieren für das Europäische Parlament. Was hat Sie besonders motiviert, für die SPD als Kandidat anzutreten?
Sebastian Hartmann: Die Europäische Union nimmt an vielen Stellen Einfluss auf die Gestaltung unseres Lebens. Im Rhein-Sieg-Kreis bin ich im Kreistag aktiv. Ob bei Nahverkehrsplanung, der kommunalen Abfallentsorgung, den Auftragsvergaben, unserer Sparkasse – hier spüren wir die Bedeutung Europas sehr deutlich. Europäisches Recht setzt hier den Rahmen für lokales Handeln. Wir stehen vor einer Richtungswahl: Wie soll sich Europa zukünftig entwickeln? Hier möchte ich als Sozialdemokrat an einem sozialeren, gerechten Europa mitwirken. Frage: Stichwort Finanzkrise.

Frage: Kann uns Europa hier helfen?
Sebastian Hartmann: Die gegenwärtige Wirtschaftskrise bedroht Arbeitsplätze, Wohlstand und Unternehmen in Deutschland und Europa. Ursache war das unverantwortliche Handeln auf den internationalen Finanzmärkten, das allzu oft nur von der Gier nach möglichst hohen Renditen bestimmt wurde. Die Finanzwelt darf kein „Schattenreich“ sein, das sich der Kontrolle durch Gesellschaft und Politik entzieht.

Frage: Ist Europa Ihrer Meinung nach „sozial“ genug?
Sebastian Hartmann: Europa muss gestaltet werden. Wenn auf der einen Seite ein freier Binnenmarkt und Wettbewerb geschaffen werden, müssen wir auch die Sicherung europäischer Arbeitnehmer- und Verbraucherinteressen sicherstellen. Wir brauchen nicht nur Grundfreiheiten für Unternehmen, sondern im gleichen Maße verbindliche Bürger- und Grundrechte. Im Bildungsbereich kann für mehr Chancengleichheit gesorgt werden. Europas soziale Seite muss gestärkt und ausgebaut werden. Die Entwicklung des modernen, vorsorgenden Sozialstaates Deutschland wird nur im Einklang mit einer Weiterentwicklung Europas geschehen. Nach der Schaffung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wollen wir jetzt eine europäische Sozialunion aufbauen. Unser Ziel ist dabei nicht, die im nationalen Rahmen bewährte Sozialstaatlichkeit durch einen europäischen Sozialstaat zu ersetzen, sondern sie durch gemeinsame europäische Mindeststandards wirksam zu schützen.

Frage: Welches Anliegen oder welche Anliegen  werden Sie – vorausgesetzt, Sie werden zum Europaabgeordneten gewählt – mit nach Brüssel nehmen?
Sebastian Hartmann: Die Abgeordneten sind gefordert, Europas soziale Seite im Interesse der Bürger stärker auszugestalten. Das bedeutet Schaffung einheitlicher Grundrechte, Sicherung hoher sozialer Standards, mehr Bürgernähe und Transparenz. Einen weiteren Schwerpunkt möchte ich im Falle meiner Wahl auf die Einbringung kommunaler Interessen und eigener kommunalpolitischer Erfahrungen legen. Der Markt regelt nicht alles. In einem starken und sozialen Europa brauchen wir auch Raum für starke Kommunen.
Zur Person
Sebastian Hartmann wurde am 07.07.1977 geboren. Er wuchs in Bornheim-Sechtem auf und ging dort zur Schule. Hieran schlossen sich der Besuch des Clara-Schumann-Gymnasiums und das Abitur in Bonn an.
Es folgte der Zivildienst in einer Bildungseinrichtung. Danach nahm er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln auf. Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung. Schwerpunktprüfung im internationalen und europäischen Recht.
Mit der folgenden Tätigkeit in den Bereichen der Personal,- Organisationsberatung sowie des Coachings schließt sich jedoch ein anderer persönlicher Schwerpunkt an.
Weitere berufliche Erfahrungen sammelte Sebastian Hartmann zuvor als persönlicher Referent und Büroleiter einer Bundestagsabgeordneten, durch Mitarbeit in einer großen Unternehmensberatung sowie in der Geschäftsführung eines Projekts zur bürgerschaftlichen Partizipation.
Mitglied der SPD wurde Sebastian Hartmann 1993. Zunächst politisch aktiv in der SPD-Jugendorganisation (Jusos), dort u. a. als Vorsitzender der Jusos im Rhein-Sieg-Kreis. Es folgt 2004 der Vorsitz der SPD in Bornheim und 2005 die Wahl zum Vorsitzenden der SPD im Rhein-Sieg-Kreis.
Der besondere Schwerpunkt des politischen Engagements liegt in der Kommunalpolitik. Bereits 1999 wurde Sebastian Hartmann zum Mitglied des Kreistags Rhein-Sieg gewählt. Als finanzpolitischer Sprecher Betreuung des Arbeitsschwerpunkts Finanzen zudem ordentliches Mitglied des Kreisausschusses, des Personalausschusses und Gründungsmitglied des Arbeitskreises Europa.
2004 erneute Wahl in den Kreistag und Wahl zum stv. Vorsitzenden der SPD Kreistagsfraktion. Seit 2007 Vorsitzender der SPD Kreistagsfraktion Rhein-Sieg.
Im Dezember 2008 Nominierung zum Kandidaten für das Europäische Parlament.

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